Liebe Leute, liebe Genossinnen und Genossen,
wir sind die Soligruppe Nanuk und wir grüßen euch alle ganz herzlich.
Der erste Mai ist ein traditioneller Kampftag und wir sind heute hier zusammen, um uns gegenseitig zu stärken, uns an unsere Bewegungsgeschichte zu erinnern und uns Mut zu machen.
Zum ersten Mai in Berlin gehört leider auch ein riesen Aufgebot an Bullen, Schaulustige und die Presse, die schon Wochen vorher ganz viel Angst hat.
Während sich die Welt besorgt fragt, wo denn die klassischen linken Themen der Demo bleiben – als wären Internationalismus, Antifaschismus, Antimilitarismus, Klassenkampf und Feminismus irgendetwas anderes – warnt die BZ vor möglichen Ausschreitungen.
Wenn es um faschistische Gewalt geht, ist die Presse weniger besorgt. Trotz hunderter durch Neonazis ermordeter Menschen in der BRD, trotz NSU, Hanau und Halle läuft der Normalbetrieb weiter. Rechtsextreme Jugendgruppen sprießen wie Pilze aus dem Boden, geleitet von den altern Kadern. Nazis sitzen wieder im Bundestag, migrantisierte Menschen werden gejagt, auf der Straße, in den Zeitungen, an dem gutbürgerlichen Abendbrottischen. Es ist einfach zum Kotzen, und wir sind müde und traurig und gleichzeitig so wütend.
Währenddessen werden linke Demos verboten und weggeknüppelt und es sitzen so viele unserer Genoss_innen im Knast. Einige von ihnen deswegen, weil ihnen vorgeworfen wird, sich mit dem Mittel zur Wehr gesetzt zu haben, das organisierte Faschisten verstehen: Gewalt. Das ist eine unbequeme Wahrheit für all die, die immer noch darauf hoffen, dass der sogenannte Rechtsstaat das Problem schon regeln wird. Aber mal ehrlich: dieser Staat hängt mittendrin. Seit seinem Bestehen mischt der Verfassungsschutz ein bisschen zu tief in Nazistrukturen mit, um glaubhaft vermitteln zu können, diese bekämpfen zu wollen. Und in krisenhaften Zeiten werden Sündenböcke gesucht: der Kapitalismus benutzt Migrant_innen und queere Personen, um den Hass gegen die Reichen in den Hass gegeneinander zu transformieren.
Selbst hier im gemütlichen Berlin werden die Zeiten rauher. In Lichtenberg trainieren Faschos öffentlich den Straßenkampf, am Ostkreuz grölt Kategorie C Sänger Hannes Ostendorf seinen Bullshit ins Mikro und immer öfter versammeln sich Kleinstgruppen aktionsorientierter, gewaltbereiter Jugendlicher. Lasst uns dabei nicht vergessen, dass das alles außerhalb des Berliner Rings längst wieder Alltag geworden ist. Deswegen rufen wir dazu auf, am 8.5. nach Demmin in Brandenburg zu fahren und die Genoss_innen vor Ort gegen den dortigen Naziaufmarsch zu unterstützen. Kommt außerdem am 14.6. nach Jena, für alle Gefangenen.
Die dürfen wir nämlich auch nicht vergessen. Nanuk wartet wie so viele andere weiterhin auf seine Anklage, und wir wissen nicht, was genau sie ihm konstruieren werden. Bitte bleibt weiterhin solidarisch, mit allen im Knast, im Untergrund und ihren Umfeldern, schreibt den Gefangenen, verfolgt die Neuigkeiten, kommt zu Demos und Kundgebungen.
Die Gesamtlage ist beschissen, aber wir halten zusammen und lassen uns nicht spalten in „gute“ und „schlechte“ Antifaschist_innen.
Einige sind im Knast, aber gemeint sind wir alle.
Bis alle frei sind.
Soligruppe Nanuk