Zum Tag der politischen Gefangenen

Liebe Leute da drinnen und hier draußen,
alle Jahre wieder kommen wir am 18. März zusammen, gehen demonstrieren, schreiben Texte oder machen Aktionen, um an diesem Tag an die Leute im Knast zu denken, sie zu grüßen und ihnen eine Stimme zu geben.
Als Soligruppe von Nanuk, der direkt hinter dieser Mauer seit Oktober letzten Jahres eingesperrt ist,  wollen wir euch, wie jedes Mal, wenn wir hier stehen, spüren lassen, dass ihr nicht allein seid in diesen erdrückenden Mauern. Ihr fehlt uns hier draußen.

Wir hoffen, euch bald wieder in die Arme nehmen zu können. Bis dahin haltet durch und lasst euch nicht unterkriegen. Unsere Grüße gehen auch an alle, denen Menschen weg genommen wurden und sich mit dieser Abwesenheit zurecht finden müssen.

Es gibt viele Gründe, am 18. März zusammenzukommen. Vor 174 Jahren wurde am 18. März die Pariser Kommune ausgerufen – die erste Räterepublik der Welt. Paris wurde für unabhängig erklärt und verwaltete sich selbst, auf basisdemokratischen, sozialistischen und feministischen Grundprinzipien. Trotz der kurzen Dauer der Pariser Kommune und deren blutiger Niederschlagung lehrt sie uns, dass Aufstände möglich und notwendig für eine befreite Gesellschaft sind.

Der 18. März ist außerdem der Todestag von Lorenzo Orsetti, Orso, Tekoser Pilling, ein italienischer Genosse, Antifaschist und Anarchokommunist, der 2017 nach Syrien ging, um dort die Revolution zu unterstützen. 2019 wurde er bei ihrer Verteidigung vom Islamischen Staat ermordet. Wir blicken an diesem Tag auf eine Kontinuität des Widerstands zurück und fühlen uns all diesen Menschen, die für eine befreite Gesellschaft gekämpft haben und immer noch kämpfen, sehr verbunden.
Denn heute ist eben auch der internationale Kampftag für die Freiheit aller politischen Gefangenen. Die Liste der in U-Haft sitzenden politischen Gefangenen, ist so lang wie seit Jahrzehnten nicht. Aber wir müssen aufpassen und lernen einen breiteren Blick zu entwicklen, nicht nur „unsere“ Gefangene zu thematisieren, denn überall auf der Welt sitzen Menschen in den Knästen, weil sie in politischer Opposition zu den herrschenden Verhältnissen stehen und dafür unterdrückt, verfolgt, gefoltert und ermordet werden.
Wie Nanuk in seinem Redebeitrag schreibt, Knast ist scheiße, aber er soll uns nicht erschrecken und nicht aufhalten weiter zu kämpfen: für und mit den Leuten die hinter den Mauern festgehalten werden. Allen Leuten, die darin eingesperrt sind, diejenigen die weggesperrt sind weil es für Sie keinen Platz in diesem System gibt, weil sie arm sind, weil sie stören, weil sie überleben müssen.
Unser Dank geht an all die Genoss*innen die jedes Jahr die Demo organisieren und an all die Genoss*innen der Rote Hilfe.
Wir werden weiter kämpfen, bis alle frei sind.
Soligruppe Nanuk